Minnesang
Dû bist mîn, ich bin dîn.
des solt dû gewis sîn.
dû bist beslozzen
in mînem herzen;
verlorn ist daz sluzzelîn:
du muost ouch immer darinne sîn.
Für alle, deren Mittelhochdeutsch nicht das Beste ist, die Übersetzung:
Du bist mein, ich bin dein.
Dessen kannst du gewiß sein.
Du bist verschlossen
in meinem Herzen;
verloren ist das Schlüsselchen:
du musst auf immer drinnen bleiben.
Von wem diese bekannte Minne stammt ist nicht klar. Ich ging immer davon aus, sie sei von Walter von der Vogelweide, einem der bedeutendsten Vertreter der mittelalterlichen Lyrik.
In dem Buch „Minnesang“ steht als Anmerkung zu dem „Namenlosen Lied“, es sei am Ende eines Liebesbriefes aus dem späten 12. Jahrhundert geschrieben. Das Mädchen verfasste ihren Brief an einen Kleriker ansonsten auf Latein, nur das Gedicht schrieb sie in mittelhochdeutsch.

Walther von der Vogelweide, im Codex Manesse
Januar 5, 2009 um 5:58
Wenn du das Lied mal in einer schönen Version hören willst, schau mal hier:
http://de.youtube.com/watch?v=yiy0A0iEDiI
Januar 5, 2009 um 7:36
Danke! Ist auf jeden Fall interessant, und ich habe gerade gelesen, dass die Band (bzw. das Projekt) von Ernst Horn gegründet wurde (Deine Lakaien/Qntal).
Januar 17, 2009 um 2:56
hallo! also ich bin germanistin und ich hab gelernt, dass das in keinem echten liebesbrief steht, sondern dass das buch eine sammlung von briefvorlagen ist und eben auch liebesbriefe enthalten sind.
also hat sich da einfach der mönch ein bissl gespielt oder es irgendwo aufgeschnappt
Juli 2, 2009 um 1:12
…und ich dachte auch, dass das eher einer Begine/Mystikerin zuzuschreiben ist – Roswitha von Gandersheim? – aber durchaus zu finden?