„Warum rülpset und furzet ihr nicht…

…hat es euch nicht geschmacket?“ Dieses bekannte Zitat wird Luther zugeschrieben, doch war die mittelalterliche Esskultur wirklich so?

Die Menschen im Mittelalter hatten auch schon eine klare Vorstellung, wie man sich bei Tisch zu benehmen hat. Und das unterscheidet sich gar nicht so sehr von dem, was Knigge&Co heute vorschreiben. Bücher der Etikette waren aber natürlich mehr für den Adel bestimmt. In Europa entstanden sie vor allem ab dem 12. Jahrhundert.

Es gab viele feste Regeln: Mit dem Essen wurde gewartet, bis der Hausherr begann, es durfte nicht in den Schüsseln gewühlt oder angefasstes Essen zurück gelegt werden, nicht zu schnell und gierig gegessen werden, rülpsen oder mit vollem Mund sprechen wurde als bäurisch angesehen. (Karfunkel)
Hier
und hier stehen noch mehr Tischsitten.

Wie viele Gänge und Mahlzeiten die Adeligen zu sich genommen haben war wohl von Hof zu Hof unterschiedlich. Philipp III. von Frankreich hatte 1279 festgelegt, dass ein Adeliger nicht mehr als drei Gänge zu sich nehmen durfte. Das war aber bald wieder vergessen…
Kochbücher des Mittelalters verzeichnen oft zehn oder mehr Gänge. Ihre Anzahl war aber immer vom sozialen Ansehen des Essenden abhängig. Übertrieben aufwendige und große Mahlzeiten mit Musik und Gesang wurden oft zur Demonstration von Macht und Wohlstand genutzt.

Wurden im Frühmittelalter noch Brotscheiben als Teller benutzt kam später irdenes Geschirr auf den Tisch. Der Adel hatte sogar Silberteller, teils auch noch vergoldet.

Im Karfunkel las ich, dass auch die Wasserbecken und Handbecken beim Adel aus Gold und Silber waren. Kaiser Friedrich I. verschenkte die Trinkgefäße an seine Gäste, genauso wie Richard Löwenherz. Dieser soll es damit etwas übertrieben habe, so dass ihm seine Räte einen einjährigen Geschenkestopp auferlegten. Richard versuchte diese Regelung zu umgehen, in dem er das Geschirr den Rittern und Adeligen einfach aus dem Fenster zuwarf.

Dass es im Mittelalter viele Verhaltensregeln und Bücher zum Thema Esskultur gab zeigt, dass die Gesellschaft nicht nur so war, wie Luthers angebliches Zitat vermuten lässt.

2 Antworten zu “„Warum rülpset und furzet ihr nicht…”

  1. Goldene Teller aus dem Fenster werfen…

    das gefällt mir ;-)

  2. Fabula Sagt:

    Sehr guter Bericht. Gut geschrieben und auch die Quellen wurden angegeben. Weiter so Schreiberling.

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