In der Badestube

Da sich im Mittelalter die wenigsten Menschen ein eigenes Bad leisten konnten gab es öffentliche Badestuben. Dort wurden auch Krankheiten behandelt und nicht zuletzt war die Badestube ein Ort des Vergnügens. Der Beruf des Baders zählte zu den “unehrlichen” Berufen, er stand am Rande der Gesellschaft.

badestube
Frauenbad, Holzschnitt aus dem 16. Jahrhundert

Der Samstag war traditioneller Waschtag. Lärmend und trommelnd schickte der Bader Jugendliche durch die Gassen um Werbung zu machen. Spärlich bekleidet gingen die Menschen zum Badehaus, im Badsack wurde alles wichtige mit genommen. Den Rest ließ man aus Angst vor Diebstählen zu Hause.

Im Vorbad entfernte der Bader oder einer seiner Gehilfen den gröbsten Schmutz, dann ging es ins heiße Schwitzbad. Es sollte auch vor dem gefürchteten Aussatz schützen. Das Wasserbad danach konnte sich nicht mehr jeder leisten, es war bedeutend teurer. Für Ärmere gab es “Seelbäder”: Statt zu bezahlen musste für das Seelenheil des Stifters gebetet werden.

Für die Kirche waren die Badestuben natürlich viel zu anstößig, schließlich badeten Männer und Frauen zusammen. Und das auch nur leicht bekleidet. So war es Priestern, Nonnen und Mönchen verboten sie zu betreten. Der Kirchenvater Augustinus aber schrieb, ein Bad pro Monat sei mit der Askese des christlichen Glaubens noch vereinbar.

In der Badestube konnte es tatsächlich sehr ausgelassen zu gehen. Essen und Trinken wurde aufgetischt oder mitgebracht, Musikanten spielten und hübsche Mägde und Knechte sorgten für Unterhaltung. Auch in den Betten der Ruheräume. Zudem assistierten sie dem Bader bei seinen Behandlungen, wie Zähne ziehen und bei der Körperpflege. Eine gute Einnahmequelle war auch das blutige Schröpfen, also der Aderlass. Im Mittelalter war nämlich die Vorstellung, dass sich Blut in den Adern stauen und schlecht werden könnte weit verbreitet.

aderlass
Aderlass, Holzschnitt um 1500

Mit dem Einfluss der Reformation und einem neuen Moralempfinden kam das Ende der öffentlichen Badestuben. Auch die Konkurrenz der Ärzte nahm zu, nur die unschönen Aufgaben, wie das Richten von Brüchen oder die Wundversorgung blieben zunächst den Badern überlassen. Außerdem kam die Vorstellung auf, das Wasser vermische sich mit den “Körpersäften” und könne somit sogar schädlich sein.

“badendes paar”
Das “Badende Paar” von Albrecht Altdorfer, 1535. Es zierte einst die Wände des Badehauses des Bischofshofes in Regensburg. (Museum Regensburg)

2 Antworten zu “In der Badestube”

  1. [...] Papilias Mittelalterblog Seyd gegrüßt « In der Badestube [...]

  2. Das gemeinsame Baden scheint in allen Zeiten einen besonderen Reiz ausgeübt zu haben.Schauen Sie doch mal hier mit herein http://www.martin-luther2017.de und hinterlassen Sie Ihre Spuren im Gästebuch.

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