Die Kinderkreuzzüge

Tausende Kinder aus Deutschland und Frankreich sollen im Jahre 1212 zu einem Kreuzzug ins Heilige Land aufgebrochen sein. Dieser vierte Kreuzzug, bei denen Predigten zufolge nur unschuldige und waffenlose Kinder Jerusalem zurückerobern könnten, erwies sich als fatal. Viele Kinder wurden unterwegs erschlagen und verschleppt, sind erfroren und verhungert.

Nikolaus, ein Junge aus Köln, führte den deutschen Kinderkreuzzug an. Von einem Fremden, den er für Jesus von Nazareth hielt, sei er aufgefordert worden ins Heilige Land zu ziehen (Anderen Büchern zufolge hatte der neunjährige Junge eine Vision, in der ein Engel ihm diesen Auftrag gab). Nikolaus verhieß den Kindern, das Meer würde sich den Nachfolgern Christi öffnen und ihnen den Weg nach Palästina freimachen. Seine Idee verbreitete sich rasch im ganzen Land und 20.000 Kinder sollen ihm gefolgt sein.

In Frankreich, bei Orleans, soll der junge Schäfer Stephan zur selben Zeit sogar 30.000 Kinder um sich versammelt haben. Er war ein Hirtenjunge und seine Idee des französischen Kinderkreuzzuges wurde von König Philipp II. abgelehnt. Dieser befahl sogar den Eltern ihre Kinder einzusperren, doch es war schon zu spät. Die Begeisterung für das Unternehmen hatte sich bereits ausgebreitet.

Die Route des deutschen Zuges führte die Kinder immer am Rhein entlang, vorbei an Mainz, Worms, Speyer und Straßburg. Sie hatten kaum etwas zu essen, der Winter war feucht und der Frühling trocken. Im Winter 1212 überquerte die Gruppe die Alpen. Als sie in Italien ankamen soll die Hälfte von ihnen schon gestorben sein.

Der Bischof von Brindisi wollte die Kinder von ihrer Abreise in den Osten abhalten, Papst Innozenz III. Haltung ist umstritten. Als das Wunder der Meerteilung aber nicht geschah zerstreute sich die Menge. Viele Kinder blieben wohl als Mägde und Knechte bei den Landbewohnern, einige wanderten weiter bis nach Rom und Brindisi. Enttäuscht traten auch viele Kinder den Rückweg an. Das Heilige Land erreichte niemand.

Die Marbacher Annalen berichteten: “So traten sie also getäuscht und beschämt den Rückweg an, und diejenigen, welche vorher geschart und die Streithaufen im Takt singend das Land zu durchziehen pflegten, kehrten jetzt einzeln und im Stillen, barfuß und hungernd zurück und wurden allen zum Gelächter, weil sehr viele Jungfrauen geraubt waren und die Blüte ihrer Jungfrauschaft verloren hatten.”

Den Anhängern des französischen Kreuzzuges soll es nicht besser ergangen sein: Unter Stephans Führung gelangten sie bis nach Marseille, doch auch dort teilte sich das Meer nicht. Viele Kinder gelangten schließlich auf Schiffen reicher Kaufleute bis nach Nordafrika. Doch dort sollen sie als Sklaven verkauft worden sein, sofern ihre Schiffe vorher nicht gekentert waren.

Ob den zeitgenössischen Quellen geglaubt werden kann ist schwer zu klären, die Quellenlage ist auch etwas dürftig. Haben die Kinderkreuzzüge wirklich stattgefunden, kann auch von einer starken Legendenbildung ausgegangen werden. Es sollen auch nicht, wie der Begriff Kinderkreuzzug nahe legt, nur Kinder teil genommen haben: Es waren wohl auch zu einem großen Teil Jugendliche, Kleriker und Erwachsene aus den unteren sozialen Schichten.

kinderkreuzzug

Kinderkreuzzug, von Gustav Dore

Eine Antwort zu “Die Kinderkreuzzüge”

  1. Ulrike Vogt Sagt:

    Ich bin Geschichtslehrerin und ich finde den Text gut gelungen!

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