Zähneputzen
Die Zahnbürste ist für uns als alltäglicher Gegenstand nichts besonderes mehr. Im Gegenteil, oft nervt es sich die Zähne zu putzen. Zwei mal am Tag, drei Minuten lang.
Doch wie war das im Mittelalter?
Gehen wir noch etwas weiter zurück: Aus der Steinzeit ist bekannt, dass sich die Menschen mit Weidenstöckchen die Zähne sauber stocherten.
Auch Zahnschmerzen beschäftigten die Menschen schon seit je her: Um 1800 v.Chr. gab es eine Theorie über die Enstehung von Karies. Schuld sei ein blutsaugender, im Schlamm geborener Zahnwurm. Bis ins 18. Jahrhundert hinein glaubte man noch an diese Theorie.
Allerdings empfahl Hippokrates schon 400 v.Chr. Zähne und Zahnfleisch täglich zu reinigen, um Schmerzen zu vermeiden. Ihm wurde wohl nicht genug geglaubt, denn bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde der Zahnhygiene nicht viel Bedeutung beigemessen. Die Zähne faulten vor sich hin, es muss schlimm ausgesehen und ebenso gerochen haben.
Aber zurück ins Mittelalter: In Europa fand die Zahnhygiene also keinen großen Anklang.
Die heilige römische Kirche versprach: „Derjenige, der zum Gedächtnis der heiligen Märtyrerin und Jungfrau Apollonia betet, wird an jenem Tag nicht von Zahnschmerz befallen.“
Das half natürlich nicht…so musste dann eben auch mal der Schmied oder der Barbier aufgesucht werden (Ausgebildete Zahnärzte gibt es in Europa erst ab Mitte des 19.Jahrhunderts), um die Zähne “feinfühlig” zu ziehen.
Folgen der Behandlung waren nicht selten verletzte Kiefer, Fieber, eitrige Geschwüre und manchmal auch der Tod.
Im Spätmittelalter erreichten aus Wildschweinborsten gefertigte Zahnbürsten auch Europa. Doch nur einige Adelige verwendeten sie. Das einfache Volk vertraute auf Salben und Tinkturen von Händlern. Falls diese auch nicht helfen wollten, wurde wieder alles auf den Zahnwurm geschoben.
Karies als Grund für Zahnschmerzen kam im Mittelalter nicht so häufig vor, wie ich zuerst vermutete. Der Grund dafür ist, dass sehr viel Getreide gegessen wurde. Es wurde auf Steinmühlen gemalhlen und das dabei enstehende Steinmehl wurde mitgegessen. Es schmirgelte die Zähne ab und säuberte sie auch, sodass Karies sich dort nicht festsetzen konnte.
Die ersten in Europa hergestellten Zahnbürsten enstanden trotzdem erst im 18. Jahrhundert. Gefertigt waren sie aus Schweineborsten und Knochen- natürlich wieder nur für die Reichen.
Erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden fabrikmäßig produzierte Zahnbürsten für fast jeden erschwinglich. Sie hatten Nylonborsten und konnten so viel billiger hergestellt werden.
Dieser Eintrag wurde am November 29, 2007 um 10:33 erstellt und unter Leben im Mittelalter mit Tags barbier, hippokrates, karies, mittelalter, Reenactment, steinzeit, zahnbürste, zahnhygiene, zahnschmerzen, zahnwurm, zähneputzen abgelegt. Du kannst die Antworten auf diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst antworten oder einen Trackback Deiner eigenen Seite veranlassen.