Glöckchen

Veröffentlicht in Leben im Mittelalter Mit Tags, , , , , , , , , , , bei Mai 15, 2008 von papilias

Auf dem WGT gab es zwei Mittelaltermärkte (mehr oder weniger authentisch) und mir fiel wieder etwas auf: Warum tragen eigentlich alle “Mittelalter(rock)-Fans” Glöckchen an ihren Kleidern?

Laut Wikipedia verbreiteten irische Mönche im 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. die Glocken in Europa. Vermutlich zunächst als Musikinstrument, als Schellen.

Glocken stehen mythologisch für die Kommunikation mit übersinnlichen Wesen wie Gottheiten und Geister. Das Geläut von Kirchenglocken soll Dämonen erschrecken und zum Flüchten bringen.

Aus diesem Grund schmückten sich die Menschen in Europa mit Glöckchen. Sie wollten sich vor bösen Geistern schützen, besonders Kinder trugen oft kleine Glocken an ihren Kleidern.

Zudem hatten Glöckchen im Mittelalter vielerlei Verwendungszwecke, zum Beispiel als Kinderspielzeug oder bei Gottesdiensten. Auch eitle Herren schmückten sich anscheinend gerne mit ihnen: “Wo Herren sein, klingeln die Schellen fein”. Ebenso Narren: “Je größer der Narr, desto größer die Schelle”. (mittelalter-lexikon.de)

Bei Tempus-Vivit las ich, dass Glöckchen an der Kleidung in manchen Städten auch zur Erkennung von Prostituierten genutzt wurden.

Ob das auch alles diejenigen wissen, die Glocken an ihren Kleidern tragen?

Auf glocken-online.de gibt es noch einen sehr interessanten Artikel zur Glocke und ihren Anfängen.

Glockengießer, Darstellung von 1568 (wiki-bild)

Papilia auf dem WGT

Veröffentlicht in Leben im Mittelalter Mit Tags, bei Mai 8, 2008 von papilias

In den nächsten Tagen dürft ihr keine neuen Artikel von mir erwarten, denn ich bin bis Dienstag auf dem Wave-Gotik-Treffen in Leipzig.

Also, ihr wisst ja: Zeit um alle meine älteren Artikel zu lesen!

Pferdefleisch

Veröffentlicht in Leben im Mittelalter Mit Tags, , , , , , bei Mai 7, 2008 von papilias

Für uns ist es oft ungewohnt, doch Pferdefleisch gehört zu den ältesten Nahrungsmitteln der Menschheit. In der Steinzeit, bei den Griechen und bei den Römern wurde Pferdefleisch gegessen.

Doch im Jahre 732 erließ Papst Gregor III ein Verbot Pferdefleisch zu essen. Er bezeichnete es als abscheuliche Praktik. Welches Motiv dem Verbot zugrunde lag ist nicht ganz geklärt.

Zum einem könnte sich das Verbot gegen die Kultpraktiken der heidnischen Germanen gerichtet haben, da die Christianisierung immer weiter voranschritt. Vielleicht wollte der Papst aber auch nicht, dass die wertvollen Schlachtrösser verzehrt werden.

Auch die Nachfolger Gregors bestätigten das Verbot. Doch da es im Mittelalter immer wieder Hungersnöte gab, wurde bestimmt auch trotzdem Pferdefleisch verzehrt. Abdecker, die alte Pferde töten, sollen das Fleisch unter der Hand an Arme und Hungernde verkauft haben.

Im 19. Jahrhundert wurde das Verbot Pferdefleisch zu essen stark hinterfragt und schließlich öffneten die ersten Pferdemetzgereien. Aktuell hat Deutschland mit Portugal den niedrigsten Pferdefleischkonsum. Viele Menschen lehnen es aus emotionalen Gründen ab.

Interessanter Artikel über Pferdefleisch und den Konsum im Wandel der Zeit auf NZZ-Folio

Sommerzeit - Eiszeit

Veröffentlicht in Leben im Mittelalter Mit Tags, , , , , , , , , , , bei Mai 4, 2008 von papilias

Schon in der Antike waren Süßspeisen sehr beliebt- so wird Alexander dem Großen und Hippokrates eine Vorliebe für Speiseeis nachgesagt. Doch wie so vieles geriet es für einige Jahrhunderte in Vergessenheit.

Durch die Kreuzfahrer gelangte das Rezept für eine Mischung aus Fruchtsirup und Schnee wieder nach Europa. Laut dem Karfunkel entdeckte ein italienischer Zuckerbäcker um 1530 die kühlende Wirkung von Salpeter und konnte somit Speiseeis herstellen. Wikipedia schreibt diese Entdeckung Marco Polo zu, er soll das Rezept in China kennengelernt haben.

Jedenfalls wurde die neue Entdeckung 1533 wirkungsvoll auf der Hochzeit Katharinas von Medici präsentiert. Das erste Eiscafé wurde übrigens 1660 in Paris eröffnet, um 1700 wurde Speiseeis auch in anderen europäischen Kaffeehäusern bekannt.

Eisverkäufer in Rom, um 1820 (Wiki-Bild)

Christi Himmelfahrt und Vatertag

Veröffentlicht in Leben im Mittelalter Mit Tags, , , , , , , , bei April 30, 2008 von papilias

An Christi Himmelfahrt wird die Auferstehung Jesus Christus und die Rückkehr in den Himmel gefeiert. Dieses Jahr fällt das Fest auf den Ersten Mai.

Natürlich wurde Christi Himmelfahrt auch im Mittelalter gefeiert. Die Auffahrt in den Himmel wurde sogar realistisch verdeutlicht, indem eine Christusfigur in das Kirchengewölbe hinauf gezogen wurde. Dann regnete es aus dem Gewölbehimmel Blumen und Heiligenbildchen oder brennende Faserstückchen (Werg). Sie stellten die Feuerzungen des heiligen Geistes dar. (Ökumenisches Heiligenlexikon)

In manchen Gegenden verdeutlichte man nicht nur die Himmelfahrt, sondern auch das Gegenstück: Eine Teufelsdarstellung wurde vom Kirchengewölbe gestürzt und von der Gemeinde geschlagen. So wurde symbolisch die Herrschaft des Bösen beendet.

In Deutschland feiern wir an Christi Himmelfahrt auch Vatertag. Dieser wurde im Mittelalter zwar noch nicht gefeiert, die Wurzeln des Brauches liegen aber vermutlich ebenso in dieser Zeit.

Am Himmelsfahrttag waren Flurumgänge, Spaziergänge, üblich. Warum ist umstritten. Zum einem könnte der Brauch aus dem germanischen Recht kommen, wonach jeder Grundbesitzer sein Land einmal im Jahr umschreiten musste, um es zu behalten.

Anderseits könnte der Brauch auf die “Apostelprozession” aus dem Matthäusevangelium zurückgehen oder zur Erinnerung an die von Papst Leo III eingerichteten Bittprozessionen sein. Doch egal, wo genau die Wurzeln liegen: Schon im Mittelalter verkamen die Spaziergänge zu Touren auf denen der Alkohol das wichtigste war.

Noch eine schöne Bauernregel zum Schluss: “Wie Christus in den Himmel fährt, / zehn Sonntag so das Wetter währt.”

Christi Himmelfahrt, von Pietro Perugino, 1496-1498